Interview mit Huanping Zhang von Eurasian Consulting durch Instinctif Partners

Der folgende Text ist eine Übersetzung des Interviews, das die deutsche Kommunikationsberatung Instinctif Partners am 11. August 2016 auf ihrer Website veröffentlichte:



Böhmes Plauderei
Huanping Zhang ist Geschäftsführer von Eurasian Consulting GmbH und verantwortet die M&A-Beratung und das gehobene Investmentbanking. Das Unternehmen mit Hauptsitz in Frankfurt konzentriert sich auf Transaktionen zwischen China und Deutschland.

Carsten Böhme: Lange Zeit fanden deutsch-chinesische Übernahmen in der deutschen Öffentlichkeit wenig Beachtung. Mit den Fällen Kuka und Flughafen Frankfurt-Hahn hat sich das dramatisch geändert. Was bedeutet dies für künftige Transaktionen?

Huanping Zhang: 2016 sind sowohl die Zahl als auch das Volumen chinesischer Übernahmen deutlich gestiegen. Auch das öffentliche Interesse hat zugenommen. Wir erwarten in den kommenden Jahren mehr und größere Transaktionen, die die chinesischen und europäischen Märkte sinnvoll ergänzen.

Angst entsteht häufig aus Unwissenheit. Welche Ziele verfolgen Investoren? Wie werden sie das Unternehmen führen und weiterentwickeln? Ohne Antworten entsteht Zurückhaltung. Wie groß sind die Unterschiede zwischen dem chinesischen und dem deutschen Geschäftsumfeld tatsächlich?

Chinesische Unternehmen sind in der Regel stärker hierarchisch geprägt. Persönlichkeit und Führungsstil der Manager haben einen größeren Einfluss als in europäischen Unternehmen, die stärker auf die Organisation ausgerichtet sind. Chinesische Manager reagieren häufig schnell auf Veränderungen und legen großen Wert auf Ergebnisse. Viele chinesische Unternehmer besitzen zudem eine vergleichsweise hohe Risikobereitschaft.

Welche Faktoren führen bei deutsch-chinesischen Übernahmen zum Erfolg?

Bei grenzüberschreitenden Übernahmen sind offene Kommunikation und die Fähigkeit, sich in die andere Seite hineinzuversetzen, entscheidend. Nach unserer Erfahrung sind chinesische Investoren, die schnell entscheiden und Transaktionen zügig abschließen können, meist erfolgreicher. Weil häufig M&A-Erfahrung fehlt, brauchen sie ein erstklassiges Team aus M&A-Beratern, Due-Diligence-Spezialisten und Rechtsberatern.

Welche häufig auftretenden Fehler können vermieden werden?

Aus Verkäufersicht darf man chinesische Verhandlungspartner keinesfalls unterschätzen. Vorurteile gegenüber chinesischen Käufern sollten nicht angesprochen werden. Vorwürfe fehlender Technologie oder unzureichenden Schutzes geistigen Eigentums in China werden besonders sensibel aufgenommen. Zweitens wollen europäische Investoren oft die Wertschöpfungskette vertiefen, während chinesische strategische Käufer nach Möglichkeiten suchen, den Wert auf andere Geschäftsfelder auszuweiten. Gerade neue Marktteilnehmer können dabei sehr gute Ergebnisse erzielen. Drittens sollte man chinesischen Privatunternehmen vorurteilsfrei begegnen: Ihre Entscheidungsprozesse sind meist effizienter als die staatlicher Unternehmen. Schließlich braucht es Geduld. Zu überstürzte Verhandlungen können chinesische Käufer misstrauisch machen und die Sorge wecken, in eine Falle zu geraten.

Chinesische Investoren sind bei der Unternehmenskommunikation in Deutschland bisher vorsichtig und zurückhaltend. Wie erklären Sie das?

Chinesische Unternehmer haben wenig Erfahrung mit Öffentlichkeitsarbeit. Aus Angst vor Kommunikation entsteht manchmal sogar ein Kommunikationsdefizit. Mit der wachsenden Professionalität chinesischer M&A-Transaktionen, zunehmendem öffentlichen Bewusstsein und der Unterstützung professioneller Kommunikationsberater wird sich dieses Verhalten unserer Ansicht nach ändern.

Wie reagieren deutsche Mittelständler auf chinesische Kaufinteressen? Sind sie grundsätzlich zu Gesprächen bereit?

Früher, insbesondere vor der Finanzkrise 2008, hatten deutsche Mittelständler große Vorbehalte gegenüber chinesischen Käufern. Viele positive Übernahmen haben diese Sorgen deutlich verringert. Chinesische Käufer zeigen ein hohes Maß an sozialer Verantwortung gegenüber ihren deutschen Beschäftigten. Bei europäischen Unternehmen mit Massenentlassungen waren kaum chinesische Investoren beteiligt. Meist behalten chinesische Käufer das bestehende Management bei und verändern die Belegschaft nur wenig. Weil sie häufig überdurchschnittliche Preise bieten und die künftige Stabilität sichern, beobachten wir eine zunehmende Gesprächsbereitschaft deutscher Mittelständler. Dennoch bestehen manche Vorurteile und Ängste fort. Am besten begegnet man ihnen im persönlichen Gespräch, etwa bei einem gepflegten Geschäftsessen.

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